Beim Barte des Anästhesisten: So schnelle Betten!
Spaß und sportlicher Ehrgeiz beim Drachenbootrennen auf dem Main
Kanuregatta und Offene Bayerische Meisterschaften im Flutlicht

Qu Yuan wäre vermutlich begeistert gewesen, hätte er am Wochenende die dritte Drachenbootregatta des SSKC in Aschaffenburg miterleben können. Genau genommen begaben sich die 28 Drachenbootteams nämlich ihm zu Ehren auf den Main - zumindest wenn man der Legende Glauben schenkt, nach der mit den Rennen seit über 2000 Jahren des chinesischen Poeten und Staatsmannes gedacht wird.

Für die Drachenbootler im heutigen Aschaffenburg war die Tradition beim Rennen um den Franken Cup allerdings eher Nebensache, es zählte das Dabeisein und der Spaß an der Sache.

Gemessen an der Lautstärke scheint der Spaß zehn Minuten vor dem Start allerdings noch nicht am Leistungsmaximum - kein Wunder, bei der kühlen Brise, die um kurz nach 9 Uhr unter der Willigisbrücke weht. Gegen die Kälte anjoggend und -hüpfend begeben sich die Insassen der ersten vier Boote zum Start. Jeder nimmt sich aus den großen blauen Plastikfässern ein Paddel und steigt ein. »Von vorn nach hinten, ganz relaxed«, gibt ein SSKC-Mann Einstiegs-Anleitung. Geruhsam paddelnd nehmen die vier Boote Aufstellung an der Startlinie.

Derweil wirft Suse Patzelt einen sorgenvollen Blick gen Himmel: »Hoffentlich regnet es nicht«, murmelt die Organisatorin, während sie Oberbürgermeister Klaus Herzog das Megaphon in die Hand drückt. Der ist ungeachtet der Kühle Feuer und Flamme und begrüßt erstmal jedes einzelne der teilnehmenden Teams euphorisch, was diese wiederum mit lautstarkem Jubel zu Wasser und zu Land quittieren. Und dann - jeder rechnet mit dem Startkommando - setzt Herzog nochmal das Megaphon ab. »Was muss ich nochmal sagen?«, fragt der OB. »Are you ready - Attention - Go«, soufflieren ihm Patzelt und eine Kollegin. Herzog ruft's ins Megaphon und los geht der erste Durchgang dieses Tages und das dritte Drachenbootrennen in der Aschaffenburger Geschichte. »Vor drei Jahren kam uns die Idee, die Kanuregatta zusammen mit einem Drachenbootrennen zu veranstalten, um etwas Geld für unsere Kinder- und Jugendarbeit einzunehmen«, erklärt Patzelt.

28 Teams am Start

Insgesamt 28 Drachenboot-Teams sind in diesem Jahr beim Franken Cup und den Offenen Bayerischen Meisterschaften am Start. Vorwärts bewegt wird das zwölfeinhalb Meter lange Gefährt, das vorne mit einem Drachenkopf und hinten mit einem Drachenschwanz geschmückt ist, mit etwa 1,20 Meter langen Stechpaddeln. Dabei sitzt jeder Bootsinsasse - je nachdem ob er Links- oder Rechtspaddler ist, an der entsprechenden Seite. Zusätzlich zu den 20 Paddlern sind auch noch ein Steuermann und ein Trommler mit im Boot. Letzterer nimmt die Schlagzahl, also die Frequenz der beiden Schlagleute auf der vordersten Bank auf und gibt sie an den Rest der Mannschaft weiter.

In jedem Durchgang paddeln die 20 Männer und Frauen in einem Boot plus Trommler und Steuermann als ginge es um deutlich mehr als den Franken Cup und ein paar Schlucke Sekt für den Sieger. Dennoch setzt sich schon im ersten Rennen nach wenigen Metern das unter Insidern als Favorit gehandelte »Wasserbetten Hock«-Team vom Hauptfeld ab. »Da muss mehr Gewicht ins Boot; das sind doch alles nur Hungerhaken!«, ruft ein Mann vom Uferrand in Richtung Wasserbetten-Drachenboot. Ein orangefarbenes T-Shirt, das unter der Jeansjacke hervorlugt, entlarvt ihn jedoch einwandfrei als einen gegnerischen Paddler.

Kaum haben die ersten vier Boote die Ziellinie überfahren - die Wasserbetten wie erwartet als Erste - machen sich am Start schon die nächsten warm. Richtig ernst scheinen es die Mitglieder des »Dreamteam« zu nehmen - im wahren Leben Mitarbeiter der Anästhesieabteilung des Aschaffenburger Klinikums. Alle angetan mit türkisfarbenen OP-Hauben und dunkelblauen OP-Hemden kreisen sie mit den Armen, springen auf und nieder, klopfen sich gegenseitig die Arme warm und einer ruft spontan in die Runde: »Wenn wir gewinnen, rasier' ich mir den Bart ab.«

Mit Kind, Hund und Campingstuhl

Derweil haben sich die Zuschauerränge am Perth Inch merklich gefüllt. Mit Kind, Hund, Campingstuhl und Decke angereist, macht man es sich bei Nudelsalat aus der Tupperschüssel und Getränken aus der Kühltasche am Ufer bequem. Musik gibt's per Mega-Lautsprecher vom Zielmesswagen des SSKC.

Und auch wenn die Temperaturen an diesem Samstag nicht mehr steigen, die Stimmung tut's permanent. »Diesmal bewegen wir uns aber wie Delphine und nicht wie ein Blauwal durchs Wasser«, versucht der als Wikinger kostümierte Trommler seine »Kombinierer« von Siemens VDO Babenhausen zu motivieren. Viel nutzen tut es nicht, letztlich machen die dunkelblau gewandeten Kombinierer nur den 14. Platz. Und auch die Bart-Ab-Drohung bringt das »Dreamteam« nur auf Platz 15. Als Sieger gehen nach 18 Rennen die favorisierten »Wasserbetten« übers Ziel vor den »Neckardrachen« (Union Böckingen, Heilbronn) und »Frau Mahlzahn« (Kronberg Gymnasium).

Ruhe kehrt für die Schwäne und Enten auf dem Main aber noch lange nicht ein. Es folgen die Offenen Bayerischen Meisterschaften im Drachenbootrennen über 200 Meter und die Kanuregatta, inzwischen im Flutlicht. Am Ufer stehen jetzt nur noch die hartgesottenen Fans, allerdings in großer Zahl. Auch der Sonntag steht ganz im Zeichen des Kanusports, jetzt immerhin im schönsten Sonnenschein. Als am Nachmittag auch die 500-Meter-Läufe der Offenen Bayerischen Meisterschaft abgeschlossen sind, ist Zeit für Suse Patzelt und Mitorganisator Heiner Faßnacht Resumee zu ziehen: »Anstrengend war's, aber schön«, sind sie sich einig.

Und wenn alle mithelfen, wird es auch im nächsten Jahr wieder ein Drachenbootrennen auf dem Main geben. Dann nicht nur zu Ehren von Qu Yuan, sondern auch zu Ehren des SSKC. Der feiert nämlich nächstes Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
Nina-Anna Beckmann

 

Eine junge Mannschaft im neuen Drachenboot

Gut mitgehalten hat die junge Besatzung des TSV Lohr mit ihrem neuen Drachenboot bei den ersten offenen bayerischen Meisterschaften des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) in dieser Disziplin. Die »Bayerischen« wurden im Rahmen der dritten Aschaffenburger Drachenboot-Regatta ausgetragen.

Zwei Tage wirbelten im Aschaffenburger Floßhafen die Trommeln und die Paddel. Aufgeteilt in einen Sport-Cup und einen Fun-Cup lieferten sich 24 Mannschaften packende Duelle über die 200-Meter-Sprintdistanz. Der »Spessartdrachen« aus Lohr starteten in drei Rennen des Sport-Cups und landeten am Ende hinter der Hafenclique Schierstein und dem USV Jena auf dem dritten Platz.

Für die Lohrer ging es am Samstagabend in ihrem ersten offiziellen Meisterschaftrennen gegen die »Rheingauer«, die »Hafenclique Schierstein« und die »Grauen Wölfe« aus Heilbronn. In weiteren drei Rennen lieferten sich die vier Mannschaften die spannendsten Duelle des Tages. Teilweise lagen zwischen dem Sieger und dem Letzten weniger als zwei Sekunden Zeitunterschied. Die »Spessartdrachen« belegten zweimal den dritten Platz, kamen aber in der Gesamtwertung nur auf Platz vier.

Dass mit dieser Platzierung trotzdem alle, vor allem auch die Coaches Roland Fischer und Klaus Höfling, zufrieden waren, liegt an der »Jugend« des Teams. Der Lohrer Kanu- Verein besitzt erst seit Oktober 2004 ein eigenes Drachenboot und begann erst ab Ende März mit dem eigentlichen Training. Von Drachenbootfahrern, die seit fünf und mehr Jahren diesen Sport betreiben, geschlagen zu werden, war erwartet worden. Dass diese junge Mannschaft aber so gut mithielt, überraschte auch die Gegner.

Eine weitere Hochburg?

Der Organisator der Regatta, Heiner Fassnacht, der früher auch für Lohr im Kajak gestartet ist, freute sich über den Aufschwung des Drachenboot-Sports: Mit Lohr sei neben Aschaffenburg und München eine weitere nicht zu übersehende Mannschaft eingestiegen. Ab Juli werde auch Bamberg über ein eigenes Drachenboot verfügen. »Wenn weitere bayerische Vereine den Weg zu diesem Wettkampfsport finden, wird auch das "Entwicklungsland" Bayern in Sachen Drachenboot-Sport eine Rolle spielen.« Hintergrund: Alleine die Stadt Schwerin hat 40 Drachenbootvereine und ist dieses Jahr zudem Veranstalter der Drachenboot-Weltmeisterschaften des DKV.

 

3. Aschaffenburger Drachenbootrennen: Die Ergebnisse

Franken Cup:
Fun-Teams (gemischt): 1. Wasserbetten Hock, Elsenfeld; 2. Neckardrachen, Union Böckingen, Heilbronn; 3. Frau Mahlzahn, Kronberg Gymnasium, Aschaffenburg; 4. Alpine Spirits, Alpenverein; 5. Pipelines, Aschaffenburger Versorgungs-GmbH; 6. Smooth Valley Drag Boys, Gesellschaftsverein Glattbach; 7. Roland Barrakudas, MAN-Roland AG, Offenbach; 8. Alpines Water Rats, Alpenverein; 9. Landratten, asecos GmbH Gründau; 10. Kai Piranhas, Mindjet, Alzenau; 11. Flußtorpedos, Significa Werbeagentur, Aschaffenburg; 12. AVG Powerboot, Aschaffenburger Versorgungs-GmbH; 13. Asphalt Junkies, Tiefbauamt/Bauhof, Stadt Aschaffenburg; 14. Die Kombinierer, Siemens VDO, Babenhausen; 15. Dreamteam, Anästhesieabteilung Klinikum Aschaffenburg; 16. Schwedendrachen, Besam GmbH, Dieburg; 17. Die alte harte Garde, Stadtgarde Aschaffenburg; 18. Stadtwerke Blitz, Stadtwerke Aschaffenburg.

Fun-Teams (Frauen): 1. Alpine Ladies, Alpenverein (Gesamtwertung: Platz 19); 2. Smooth Valley Drag Girls, Gesellschaftsverein Glattbach (Gesamtwertung: Platz 20).

Sport-Teams: 1. USV Jena, Sektion Kanu; 2. Hafenclique, Schierstein; 3. Spessartdrachen, TSV Lohr.

Offene Bayerische Meisterschaften
200 Meter: 1. Rheingauer, WV Schierstein; 2. Die grauen Wölfe, KC Völklingen, und Hafenclique, Hafenclique Schierstein; 4. Spessartdrachen, TSV Lohr.

500 Meter: 1. Die grauen Wölfe; 2. Rheingauer; 3. VGF Dragons, Verkehrsgesellschaft Ffm; 4. Estonia Schwoje, TV Schweinheim.

Kanuregatta:
500 Meter (nur Spitzenplatzierungen heimischer Teilnehmer): Männliche Schüler B, K1, 10 Jahre: Moritz Schüßler 1. Platz; Damen Junioren, K4: Hannah Patzelt mit der Renngemeinschaft (RG) Bayern 1. Platz; Weibliche Schüler B, K4: Franziska Krugler mit der RG Hof-Aschaffenburg 3. Platz; Weibliche Jugend, K1, Hannah Patzelt 1. Platz; Weibliche Schüler A, K4: Marie-Theres Schüßler und Johanna Obremski mit der RG Hof-Aschaffenburg 2. Platz; Weibliche Jugend, K2, Hannah Patzelt mit der RG Hof-Aschaffenburg 2. Platz; Männliche Jugend, K1, Felix Kern 2. Platz; Männliche Schüler A, K4, Moritz Zimlich mit der RG Hof-Aschaffenburg 2. Platz; Herren Senioren, K4, Heiner Faßnacht, Eugen Eibl, Roland Eibl und Andreas Schmittner 1. Platz; Damen Junioren, K1, Hannah Patzelt 1. Platz; Weibliche Jugend, K4, Hannah Patzelt, Marie-Theres Schüßler und Johanna Obremski mit der RG Hof-Aschaffenburg 2. Platz; Damen Leistungsklasse, K2, Thea Faßnacht und Hanna Mayer mit RG Bayern 2. Platz.

Copyright: © 1996-2005 Verlag und Druckerei Main-Echo GmbH & Co. KG

© 2003-2006 SSKC Aschaffenburg -Kanuabteilung-